Wie sich der Kaffeepreis wirklich zusammensetzt – und warum er immer wieder steigt
- Ingo Heine
- 10. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Dez. 2025
Kaffee gehört zu unseren alltäglichen Begleitern – und gleichzeitig zu den rohstoffintensivsten Genussmitteln, die wir konsumieren. Dass der Preis im Supermarkt oder im Café gelegentlich steigt, fällt sofort auf, doch die Gründe dahinter sind selten klar. Wer verstehen möchte, warum Kaffee mal günstiger und mal teurer wird, muss sich die gesamte Wertschöpfungskette anschauen – von der Kaffeekirsche auf der Plantage bis zur gerösteten Bohne in der Packung.
Wo der Kaffeepreis entsteht: Vom Rohkaffee zum fertigen Produkt
Die Grundlage des späteren Endpreises bildet der Rohkaffee, der weltweit an den Börsen von New York (Arabica) und London (Robusta) gehandelt wird. Dieser Börsenpreis gibt allerdings nur einen Rahmen vor; die Summe, die Bauern tatsächlich erhalten – der sogenannte Farm-Gate-Preis –, liegt in der Regel deutlich darunter. Zwischenhändler, Aufbereitung, Transport und Qualitätskontrollen reduzieren den Anteil, der bei den Produzenten ankommt (International Coffee Organization).
Nachdem der Kaffee geerntet wurde, beginnt eine intensive Aufbereitung: Die Kirschen müssen gewaschen, getrocknet, sortiert und klassifiziert werden. Anschließend geht es um den Export, für den in vielen Ländern zusätzliche Gebühren, Zertifizierungen und Qualitätsprüfungen notwendig sind. All diese Schritte sind kostenintensiv und hängen stark von der Infrastruktur des Herkunftslandes ab (Fairtrade International).
Auch der Transport schlägt spürbar zu Buche. Kaffee reist meist per Containerschiff um die halbe Welt – eine logistische Leistung, deren Kosten wiederum abhängig sind von Treibstoffpreisen, internationalen Frachtraten und Versicherungen. Gerade während globaler Krisen oder hoher Nachfrage steigen diese Kosten deutlich an (UNCTAD Maritime Transport Review). Innerhalb der EU fallen zudem, abhängig vom Produktstatus, unterschiedliche Zölle an (Europäische Kommission).
In den Verbraucherländern übernimmt schließlich die Rösterei einen wichtigen Part. Hier wird der Kaffee nicht nur veredelt, sondern erhält durch energieintensive Röstprozesse seinen späteren Geschmack. Energie, Arbeitskosten und Verpackungsmaterialien – deren Preise ebenfalls in den letzten Jahren spürbar gestiegen sind – bestimmen diesen Abschnitt der Wertschöpfung maßgeblich (Deutscher Kaffeeverband). Erst danach folgt der Handel, der seine eigene Marge aufschlägt und zusätzliche Kosten für Marketing, Logistik, Filialbetrieb und natürlich die Umsatzsteuer einpreist (Statista).
Warum Kaffee teurer wird: Die wichtigsten Einflussfaktoren
Dass der Kaffeepreis schwankt, hat vielfältige Ursachen, die häufig gleichzeitig wirken. Eine der größten Herausforderungen ist der Klimawandel. Kaffeesträucher, insbesondere Arabica, reagieren empfindlich auf extreme Temperaturen, unregelmäßige Niederschläge und Wetterphänomene wie Frost. Der massive Frost in Brasilien im Jahr 2021 beispielsweise führte zu drastischen Ernteeinbußen und damit zu deutlichen Preissprüngen auf dem Weltmarkt (USDA Coffee Report 2021). Wenn Ernten ausfallen, steigen die Preise – ein klassisches Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.
Auch die Produktionskosten in den Erzeugerländern sind ein dauerhafter Faktor. Düngemittel, Energie und Transport innerhalb der Anbauregionen sind teurer geworden. Gerade Düngemittelpreise stiegen in den vergangenen Jahren teilweise sprunghaft an – ausgelöst durch geopolitische Spannungen und globale Lieferengpässe (World Bank Commodity Markets Outlook). Für viele Produzenten bedeutet das höhere Ausgaben, die sie an die Händler weitergeben müssen.
Eine weitere Variable, die oft unterschätzt wird, sind Wechselkurse. Da Kaffee in US-Dollar gehandelt wird, verändert ein starker Dollar die gesamte Preisdynamik. Produzenten, die ihre Kosten in lokaler Währung tragen, verdienen bei Dollarstärke effektiv weniger und verlangen entsprechend höhere Einkaufspreise, was sich am Ende auch auf uns als Konsumenten auswirkt (International Coffee Organization).
Nicht zuletzt spielen Transportkosten eine gravierende Rolle. Die Pandemie hat eindrucksvoll gezeigt, wie anfällig globale Lieferketten sind: Containerknappheit, blockierte Häfen und steigende Treibstoffpreise führten zwischenzeitlich zu extremen Verteuerungen im maritimen Transport – Kosten, die sich direkt im Kaffeepreis niederschlagen (UNCTAD Maritime Transport Review).
In den Verbraucherländern kommen weitere Faktoren hinzu: gestiegene Energiepreise, höhere Löhne, teureres Verpackungsmaterial und generell eine höhere Inflation. Röstereien und Verpackungsbetriebe müssen mehr bezahlen, und auch der Einzelhandel passt seine Margen an, teils aus Kostendruck, teils strategisch (Ifo Institut).

Fazit: Kaffee bleibt ein sensibles Produkt – und sein Preis ein globales Spiegelbild
Der Preis, den wir für eine Packung Kaffee zahlen, ist weit mehr als das Ergebnis eines simplen Marktes. Er ist Ausdruck einer hochkomplexen, globalen Lieferkette, die von Klima, Politik, Logistik und Finanzmärkten gleichermaßen beeinflusst wird. Dass Kaffee teurer wird, liegt selten an einem einzigen Faktor – vielmehr wirken viele Kräfte gleichzeitig. Klar ist jedoch: Solange die Anbaugebiete unter klimatischem Stress stehen und die globalen Märkte volatil bleiben, werden Preisschwankungen eher die Regel als die Ausnahme sein.
Hier noch ein Link zu einem Beitrag des Manager-Magazins zum Thema:






