Die Geschichte des Kaffees in Äthiopien – Wo alles begann
- Ingo Heine
- 17. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Dez. 2025

Äthiopien gilt als die Wiege des Kaffees. Kein anderes Land ist so eng mit der Entstehung, Entwicklung und kulturellen Bedeutung des Kaffees verbunden. Hier, in den grünen Bergregionen des Ostafrikanischen Hochlandes, entstand nicht nur der weltberühmte Arabica-Kaffee – hier beginnt auch die älteste bekannte Kaffeekultur der Welt.
Die Ursprünge – Kaffee wächst wild
Äthiopien ist das einzige Land, in dem Coffea Arabica in großen Teilen wild vorkommt. In Regionen wie Kaffa, Sidamo, Yirgacheffe und Harar wachsen die Pflanzen seit Jahrtausenden in dichten Bergwäldern. Die Menschen nutzten die Kaffeekirschen ursprünglich nicht zum Rösten, sondern als Nahrung:
Man mischte die Früchte mit Fett, formte daraus kleine Energiebälle und nutzte sie als Proviant auf langen Reisen.
Erst viel später entwickelte sich daraus das Getränk, das wir heute Kaffee nennen.
Die legendäre Sage des Ziegenhirten Kaldi
Die bekannteste Geschichte über die Entdeckung des Kaffees stammt aus dem 9. Jahrhundert – und ist gleichzeitig eine der schönsten Legenden der Kaffeewelt.
Ein junger Ziegenhirte namens Kaldi bemerkte, dass seine Ziegen ungewöhnlich lebhaft wurden, nachdem sie von den roten Beeren eines bestimmten Strauches gefressen hatten. Sie sprangen, tanzten und waren voller Energie. Neugierig probierte Kaldi selbst einige der Beeren – und spürte prompt eine belebende Wirkung.
Verwundert brachte er die Früchte zu einem nahegelegenen Kloster. Doch der Mönch dort hielt sie für Teufelswerk und warf sie ins Feuer. Was dann geschah, überraschte alle:
Der aromatische Duft der gerösteten Bohnen stieg in die Luft – und die Mönche wurden neugierig. Sie sammelten die Bohnen aus der Asche, mahlten sie und mischten das Pulver mit heißem Wasser. So entstand der erste Kaffeeaufguss – zumindest der Legende nach.
Ob die Geschichte historisch ist oder nicht: Sie symbolisiert die tiefe Verbindung Äthiopiens zum Kaffee wie kaum eine andere Erzählung.
Kaffee als fester Bestandteil der äthiopischen Kultur
In Äthiopien ist Kaffee weit mehr als ein Getränk – er ist ein Ritual, ein Ausdruck von Gastfreundschaft und ein sozialer Mittelpunkt. Die traditionelle äthiopische Kaffeezeremonie ist ein kulturelles Ereignis, das oft über eine Stunde dauert.
Typische Schritte:
Die grünen Bohnen werden über glühender Kohle geröstet.
Danach werden sie frisch zerstoßen.
Das Pulver wird in der Jebena, einer bauchigen Tonkanne, mit Wasser aufgekocht.
Der Kaffee wird traditionell drei Mal aufgegossen – Abol, Tona und Baraka – jeder Aufguss mit einer anderen Stärke und Bedeutung.

Typisch äthiopische Jebena
In äthiopischen Haushalten ist Kaffee ein Symbol für Gemeinschaft und Respekt. Gäste ohne Kaffee zu verabschieden gilt als unhöflich.
Die Jebena ist ein traditionelles äthiopisches Kaffeekännchen aus Ton und spielt eine zentrale Rolle im dortigen Kaffeeritual. Ihre bauchige Form und der lange, schmale Hals sorgen dafür, dass der Kaffee besonders aromatisch bleibt. Der Duft der Röstung gilt als Einladung an alle Anwesenden. Anschließend werden die Bohnen von Hand gemahlen. Das Pulver kommt direkt in die Jebena, die mit Wasser über der Glut erhitzt wird. Sobald der Kaffee im Inneren aufschäumt, gilt er als fertig. Serviert wird er in kleinen Tassen, oft mit viel Respekt und einer ruhigen, würdevollen Atmosphäre. Meist werden drei Runden Kaffee zubereitet – jede hat eine eigene Bedeutung. Die erste ist stark und intensiv, die zweite milder, die dritte steht symbolisch für Segen und Gemeinschaft. Während des Rituals wird gesprochen, gelacht und geteilt. Es ist ein Moment der Verbundenheit. Die Jebena verkörpert dabei die Verbindung von Tradition, Gastfreundschaft und Geschichte. Bis heute ist sie ein Herzstück der äthiopischen Kaffeekultur und erinnert an die Ursprünge des Kaffees selbst.
Äthiopien als modernes Kaffeeland
Heute ist Äthiopien einer der wichtigsten Kaffeeproduzenten weltweit und berühmt für seine aromatischen Spezialitätenkaffees. Regionen wie:
Yirgacheffe – floral, teeartig, oft mit Zitrusnoten
Sidamo – komplex, fruchtig, lebendige Säure
Harrar – intensiv, würzig, manchmal mit Beeren- oder Weinnoten
gehören zu den begehrtesten Herkunftsgebieten der Welt.
Noch immer stammen viele Bohnen aus kleinen Familienbetrieben und Waldgärten, die nach traditionellen Methoden bewirtschaftet werden. Dies trägt zur geschmacklichen Vielfalt und zum besonderen Charakter des äthiopischen Kaffees bei.






