
Der Kaffeefilter
Wer ihn erfand – und wie Kaffee davor gefiltert wurde
Der Kaffeefilter ist heute so selbstverständlich, dass man selten darüber nachdenkt, wie jung diese Erfindung eigentlich ist. Dabei markiert er einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Kaffeezubereitung: weg vom trüben, oft bitteren Getränk – hin zu Klarheit, Kontrolle und Reproduzierbarkeit. Doch bevor der moderne Filter existierte, behalf man sich über Jahrhunderte mit ganz anderen Methoden.
Kaffee vor dem Filter: Kochen statt Filtern
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Als sich Kaffee im 15. und 16. Jahrhundert von Äthiopien über die arabische Welt bis nach Europa verbreitete, wurde er nicht gefiltert, sondern gekocht.
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Der orientalische Ursprung: Mokka, Ibrik & Cezve
In der osmanischen und arabischen Kaffeekultur wurde fein gemahlener Kaffee direkt im Wasser aufgekocht (oft mehrfach). Der Satz setzte sich später in der Tasse ab.
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Keine Trennung von Kaffee und Partikeln
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Sehr feiner Mahlgrad
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Kräftiger, dichter Geschmack
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Heute bekannt als türkischer Kaffee
Hier war Filtration nicht vorgesehen – der Kaffeesatz gehörte zum Ritual.
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Erste Filterversuche in Europa (17.–19. Jahrhundert)
Mit der Verbreitung des Kaffees in Europa wuchs der Wunsch nach einem klareren Getränk, ohne Kaffeesatz im Mund.
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Stofffilter: Leinen, Baumwolle & „Kaffeesocken“
Eine der frühesten Lösungen waren Textilfilter:
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Leinen- oder Baumwolltücher
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Wiederverwendbar, aber schwer zu reinigen
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Öle und Partikel blieben oft im Gewebe hängen
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Geschmack wurde schnell ranzig
Solche Filter waren verbreitet, aber hygienisch problematisch.
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Metallfilter & frühe Kaffeekannen
Im 18. Jahrhundert kamen Kannen mit eingebauten Metallsieben auf:
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Zinn, Kupfer oder Messing
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Grobe Filtration, feiner Satz gelangte trotzdem in die Tasse
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Verstopften leicht
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Kaum Kontrolle über Extraktion
Der Fokus lag mehr auf dem Gefäß als auf der Filtertechnik.
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Der „Biggin“ – ein Vorläufer des Handfilters
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war der sogenannte Biggin verbreitet:
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Zweiteilige Kanne
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Oben Kaffeemehl, unten Auffangbehälter
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Filtration über Stoff oder Metall
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Wasser lief durch Schwerkraft
Der Biggin war funktional, aber inkonsistent – je nach Mahlgrad und Zustand des Filters.
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Perkolatoren: Umwälzen statt Filtern
Im 19. Jahrhundert entstand der Perkolator:
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Wasser wird erhitzt und steigt durch ein Rohr nach oben
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Läuft mehrfach über das Kaffeemehl
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Kein echtes Filtern, sondern permanentes Extrahieren
Das Ergebnis war häufig überextrahiert und bitter – ein Problem, das lange Zeit als „normaler Kaffeegeschmack“ galt.
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Die entscheidende Wende: Melitta Bentz und der Papierfilter (1908)
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Wer war Melitta Bentz?
Melitta Bentz war eine deutsche Hausfrau aus Dresden. Unzufrieden mit:
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Kaffeesatz in der Tasse
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Bitterem Geschmack
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Schwer zu reinigenden Filtern
experimentierte sie 1908 mit einfachen Mitteln.
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Die Erfindung
Sie nahm:
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eine Messingdose,
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stanzte Löcher in den Boden,
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legte ein Stück Löschpapier aus dem Schulheft ihres Sohnes hinein.
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Das Ergebnis:
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Klarer Kaffee
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Weniger Bitterstoffe
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Keine Rückstände in der Tasse
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Der erste Einweg-Papierfilter war geboren.
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Patent & industrielle Bedeutung
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1908: Anmeldung des Patents
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1909: Präsentation auf der Leipziger Messe
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Gründung der Firma Melitta
Diese Erfindung war nicht nur praktisch, sondern revolutionär:
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Standardisierte Extraktion
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Hygienische Einweg-Lösung
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Grundlage für moderne Handfilter, Filtermaschinen und Spezialitätenkaffee
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Warum der Papierfilter bis heute relevant ist
Der Papierfilter verändert die Chemie des Kaffees:
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Hält feine Partikel zurück
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Bindet bestimmte Öle (z. B. Cafestol)
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Führt zu klareren, leichteren Tassenprofilen
Er ist damit bis heute zentral für:
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Pour-Over-Methoden
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Batch Brewer
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Sensorisch saubere Kaffees
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Fazit: Eine kleine Idee mit großer Wirkung
Die Geschichte des Kaffeefilters zeigt:
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Jahrhunderte lang wurde Kaffee trotz seiner Unzulänglichkeiten getrunken
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Viele Lösungen existierten, aber keine war wirklich überzeugend
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Erst Melitta Bentz schuf eine einfache, geniale und nachhaltige Lösung
Der moderne Kaffeefilter ist kein technisches Großprojekt – sondern das Ergebnis von Alltagsfrust, Beobachtung und Pragmatismus. Und genau darin liegt seine Bedeutung für die Kaffeegeschichte.



