
Bremen, Hamburg, Leipzig:
Die Anfänge der Kaffeehauskultur in Deutschland
Wenn vom ersten Kaffeehaus in Deutschland die Rede ist, fällt häufig der Name Leipzig. Diese Annahme hält sich hartnäckig, ist historisch jedoch nicht ganz korrekt. Tatsächlich entstand das erste belegte Kaffeehaus auf deutschem Boden bereits 1673 in Bremen. Als bedeutende Handels- und Hafenstadt war Bremen früh in den internationalen Warenverkehr eingebunden, über den auch Kaffee nach Mitteleuropa gelangte. In diesem Umfeld eröffnete ein öffentlich zugänglicher Ort, an dem Kaffee gezielt ausgeschenkt wurde – und damit ein Kaffeehaus im heutigen Verständnis. Kulturell blieb dieses frühe Bremer Kaffeehaus allerdings kaum sichtbar; es hinterließ wenig Spuren im kollektiven Gedächtnis.
Nur wenige Jahre später, 1677, folgte Hamburg mit einem Kaffeehaus englischer Prägung. Hamburgs Bedeutung als internationaler Handelsplatz und seine stärkere Einbindung in europäische Netzwerke sorgten dafür, dass dieses Kaffeehaus deutlich besser dokumentiert ist. Aus diesem Grund wird Hamburg in vielen Quellen prominenter erwähnt, obwohl es nicht der eigentliche Ursprung der deutschen Kaffeehausgeschichte ist.
Leipzig betritt die Bühne erst 1694 – also mehr als zwanzig Jahre nach Bremen. Mit dem „Arabischen Coffe Baum“ entstand dort ein Kaffeehaus, das bis heute existiert und zu den ältesten noch betriebenen Kaffeehäusern Europas zählt. Leipzig war zu dieser Zeit kein Hafen, sondern ein geistiges und wirtschaftliches Zentrum: Messewesen, Buchdruck, Universität und Musikleben prägten die Stadt. Genau hier entwickelte sich das Kaffeehaus zu dem, was wir heute kulturell damit verbinden – ein öffentlicher Raum für Austausch, Diskussion, Lesen, Schreiben und gesellschaftliches Leben.
Der Grund, warum Leipzig so häufig als Ort des ersten Kaffeehauses genannt wird, liegt weniger in der Chronologie als in der Kontinuität und Wirkung. Während die frühen Kaffeehäuser in Bremen und Hamburg entweder verschwanden oder kaum dokumentiert sind, blieb das Leipziger Kaffeehaus über Jahrhunderte hinweg bestehen und war fest im Stadtleben verankert. Es wurde besucht von Künstlern, Gelehrten und Kaufleuten und prägte nachhaltig das Bild des Kaffeehauses als bürgerliche Institution.
Historisch korrekt lässt sich daher festhalten: Bremen war der Ort des ersten belegten Kaffeehauses in Deutschland, Hamburg machte das Kaffeehaus international sichtbar, und Leipzig machte es kulturell bedeutend. Der weit verbreitete „Leipzig-Mythos“ ist also kein Fehler, sondern ein Hinweis darauf, wo das Kaffeehaus seine eigentliche gesellschaftliche Rolle fand. Nicht das früheste Datum, sondern die nachhaltige Wirkung entschied darüber, welcher Ort im Gedächtnis blieb.


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