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Der Prozess des Röstens
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Physik,Chemie und Sensorik

Kaffeeröstprozess

Vom Rohkaffee zur Röstbohne

  • Rohkaffee ist ein landwirtschaftliches Produkt: hellgrün, hart, grasig riechend und praktisch ungenießbar

  • Erst durch das Rösten werden die über 800 Aromastoffe freigesetzt, die den Geschmack des Kaffees ausmachen

  • Beim Rösten reagieren Hitze, Zeit und Luftzufuhr miteinander – und verwandeln einfache Samen in komplexe Aromaträger​

Das Ziel des Röstens ist:

  • die Säuren, Zucker und Öle in Balance zu bringen

  • das typische Aroma herauszuarbeiten

  • und das Potenzial der Bohne (Herkunft, Aufbereitung, Sorte) optimal zu entfalten

Aufbau der Kaffeebohne

Um zu verstehen, was während der Röstung passiert, lohnt ein kurzer Blick auf die Struktur:

  • Außenhaut (Silberhäutchen): Dünne Schicht, die sich beim Rösten löst („Chaff“)

  • Zellstruktur: Besteht aus Zellulose – sie dehnt sich bei Hitze und Gasbildung aus

  • Inhaltstoffe: Wasser (10–12 %), Zucker, Proteine, Chlorogensäuren, Lipide und Mineralstoffe

Diese Bestandteile reagieren unterschiedlich auf Temperatur und Zeit – und genau das macht das Rösten so komplex.

 

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Die Phasen der Röstung im Überblick

Phase 1 – Trocknung

(ca. 100 – 160 °C)

  • Ziel: Entfernen der Restfeuchtigkeit (10–12 % im Rohkaffee)

  • Vorgang: Wasser verdampft, die Bohne erwärmt sich gleichmäßig

  • Farbe & Geruch: Von grünlich zu gelblich, mit Heu- oder Getreidenote

  • Physik: Die Bohne verliert Masse, beginnt sich leicht auszudehnen

Hier entscheidet sich, wie gleichmäßig die Wärme aufgenommen wird. Zu schnelle Trocknung führt zu unruhiger Röstung (scorching, tipping).

Phase 2 – Maillard-Reaktion

(ca. 150 – 190 °C)

  • Ziel: Bildung der Grundaromen durch chemische Reaktion von Zucker und Aminosäuren

  • Vorgang: Die sogenannte Maillard-Reaktion sorgt für Bräunung und Aromaentwicklung

  • Farbe & Geruch: Gelb wird zu hellbraun, es riecht nach Brot, Karamell, Nüssen

  • Chemie: Bildung von hunderten Aromaverbindungen (Pyrazine, Aldehyde, Ketone)

Diese Phase ist entscheidend für den Geschmack: je länger sie dauert, desto komplexer das Aroma. Zu kurz – der Kaffee wird säuerlich; zu lang – er wirkt flach und schwer.

Phase 3 – First Crack

(ca. 195 – 205 °C)

  • Ziel: Die Bohne öffnet sich – Übergang von physikalischer zu aromatischer Entwicklung

  • Vorgang: Im Inneren baut sich Druck durch Wasserdampf und CO₂ auf, bis die Zellwände aufbrechen: ein deutlich hörbares Knacken (ähnlich Popcorn)

  • Farbe & Geruch: Hellbraun bis mittelbraun, Duft nach gerösteten Nüssen und Schokolade

  • Physik: Die Bohne dehnt sich stark aus, Masseverlust bis zu 15 %

Ab hier beginnt die „Entwicklungszeit“ – das Finetuning der Röstung. Hier entscheidet sich, ob der Kaffee fruchtig, süß oder bitter wird.

Phase 4 – Entwicklungsphase 

(ca. 205 – 220 °C)

  • Ziel: Ausbalancieren von Säure, Süße und Körper

  • Vorgang: Nach dem First Crack steuert der Röster gezielt die Energiezufuhr

  • Kurze Entwicklungszeit → fruchtiger, säurebetonter Kaffee

  • Lange Entwicklungszeit → süßer, schokoladiger, kräftiger Kaffee

  • Chemie: Karamellisierung, Reduktion von Säuren, Entstehung ätherischer Öle

  • Aromatisch: Das Profil der Röstung entfaltet sich – hier wird der Charakter festgelegt

„Development Ratio“ (Anteil der Entwicklungszeit an der Gesamtzeit) ist ein Schlüsselwert beim professionellen Rösten.

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Phase 5 – Second Crack

(ab ca. 225 °C)

  • Ziel: Beginn der dunklen Röstung

  • Vorgang: Zellstrukturen brechen erneut auf, Öle treten an die Oberfläche

  • Geruch & Farbe: Dunkelbraun, würzig bis rauchig; weniger Frucht, mehr Bitterstoffe

  • Risiko: Überröstung, Ascheton, Verlust von Komplexität

Second Crack ist typisch für Espresso- oder italienische Röstungen. Bei Spezialitätenröstungen stoppt man meist vorher.

Farbliche Veränderungen während der Röstung

                                

1= Rohkaffee / Das Ausgangsprodukt

2 + 3 = Bohnen vor dem First Crack mit beginnender Farbveränderung

erste farbliche Veränderungen, das Ablösen der Silberhäutchen beginnt

4 = heller Grad der Röstung

bereits Eignung für z.B. Filterkaffees, betont eine feine Nuancierung

5 = mittlerer Grad der Röstung

Eignung für Cafe Creme oder Filter

6 = dunkler Grad der Röstung

Eignung für Espresso

Phase 6 - Abkühlen und Ruhen

  • Nach der gewünschten Röstung wird die Bohne schnell heruntergekühlt – meist mit Luft unter Bewegung

  • → Ziel: Den Röstprozess stoppen und gleichmäßige Qualität sichern

  • Danach folgt das Entgasen:

  • Frisch gerösteter Kaffee gibt über mehrere Tage CO₂ ab

  • Erst nach etwa 24–72 Stunden ist der Kaffee sensorisch stabil – das ist der ideale Zeitpunkt für den Genuss oder die Verkostung

Nach der Röstung: Ruhezeit & Reifung

Nach dem Rösten ruht der Kaffee mindestens 12–48 Stunden.

Dabei entweicht CO₂ („degassing“), das Aroma stabilisiert sich.

Frisch gerösteter Kaffee riecht stark, schmeckt aber noch „spitz“.

Nach etwa 3–7 Tagen erreicht er sein volles Aroma.

Fazit

Das Rösten ist ein Balanceakt zwischen Kunst und Wissenschaft:

  • Physikalisch: Temperatur, Zeit, Luftstrom

  • Chemisch: Zuckerabbau, Reaktionen, Ölbildung

  • Sensorisch: Riechen, Hören, Sehen

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