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Sri Lanka

Kaffeeanbau in Sri Lanka – Geschichte, Regionen, Sorten und Besonderheiten des Ceylon-Kaffees

Sri Lanka ist vielen vor allem als Teeland bekannt, doch lange bevor Tee die Hochlagen der Insel prägte, war Kaffee das dominierende Exportprodukt. Der Kaffeeanbau blickt hier auf eine bewegte Geschichte zurück – von kolonialer Blüte über nahezu vollständigen Zusammenbruch bis hin zu einer kleinen, aber ambitionierten Renaissance im Spezialitätensegment.
Dieser Beitrag beleuchtet, wo in Sri Lanka Kaffee angebaut wird, wie sich der Anbau historisch entwickelte, welche Sorten dominieren und warum Ceylon-Kaffee heute wieder an Bedeutung gewinnt.


Wo wächst Kaffee in Sri Lanka?

Der Kaffeeanbau konzentriert sich auf die zentralen und südlichen Hochlagen der Insel. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen meist dort, wo später Teeplantagen entstanden sind.

Zentrale Hochlagen – Kandy, Matale und Badulla

Diese Regionen bilden das Herz des historischen Kaffeeanbaus.
Typisch sind:

  • Höhenlagen zwischen 800 und 1.600 Metern

  • kühleres Bergklima mit hoher Luftfeuchtigkeit

  • schattiger Anbau unter Wald- und Nutzbäumen

Uva- und Sabaragamuwa-Region

Etwas weniger bekannt, aber klimatisch gut geeignet.
Kennzeichen:

  • fruchtbare Böden

  • teils kleinere Farmstrukturen

  • Mischkulturen mit Gewürzen und Obst

Südliche Hochländer

Kleinere, oft familiengeführte Betriebe.
Typisch:

  • niedrigeres Produktionsvolumen

  • zunehmender Fokus auf Qualität statt Menge

Seit wann wird in Sri Lanka Kaffee angebaut?

Kaffee kam im 18. Jahrhundert während der Kolonialzeit nach Sri Lanka (damals Ceylon). Bereits im frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich die Insel zu einem der wichtigsten Kaffeeexporteure der Welt.

Die Geschichte lässt sich grob einteilen in:

  • Einführung und Expansion (1800–1860) – großflächige Plantagenwirtschaft

  • Kaffeerost-Krise (ab 1869) – nahezu vollständiger Zusammenbruch durch Hemileia vastatrix

  • Umstellung auf Tee – Kaffee verliert seine wirtschaftliche Dominanz

  • Moderne Wiederentdeckung – kleine Produzenten und Spezialitätenansätze

Heute ist Kaffee mengenmäßig unbedeutend, erlebt aber eine qualitative Neuausrichtung.


Anbauhöhen und Klima – tropische Vielfalt mit Herausforderungen

Sri Lanka liegt nahe am Äquator und bietet ein feucht-tropisches Klima mit zwei Monsunzeiten. Für Kaffee bedeutet das:

  • Anbauhöhen: meist 900–1.600 Meter

  • Temperaturen: relativ konstant, selten extreme Hitze

  • Regen: üppig, aber schwer planbar

Diese Bedingungen ermöglichen:

  • langsame Reifung

  • gute Aromenausprägung

  • dichte Bohnen

Gleichzeitig stellen hohe Luftfeuchtigkeit und Pilzkrankheiten hohe Anforderungen an Pflege und Sortenwahl.


Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?

Der Kaffeeanbau Sri Lankas ist klar arabica-dominiert, ergänzt durch kleinere Robusta-Flächen in tieferen Lagen.

Typische Arabica-Varietäten:

  • Typica – historisch verbreitet, mild und ausgewogen

  • Bourbon – süßer, komplexer, zunehmend bevorzugt

  • Catimor & Sarchimor – krankheitsresistente Hybride

Robusta wird vor allem für den lokalen Markt angebaut und spielt im Spezialitätenbereich kaum eine Rolle.


Aufbereitungsmethoden – traditionell und zunehmend experimentell

Die meisten Kaffees Sri Lankas werden nach wie vor klassisch verarbeitet, doch innovative Produzenten erweitern das Spektrum.


Washed Process (gewaschen)

Dominant im Hochland:

  • saubere, klare Tassen

  • dezente Säure

  • ausgewogene Süße

Natural & Honey Process

Noch selten, aber wachsend:

  • fruchtigere Profile

  • mehr Körper

  • experimentelle Lots für Spezialitätenröster

Die Verarbeitung erfolgt meist in kleinen Einheiten – häufig direkt auf Farmen oder in Kooperativen.


Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus Sri Lanka?

Ceylon-Kaffees sind selten laut oder extrem, sondern zeichnen sich durch Eleganz und Balance aus.

Typische Aromen:

  • milde Zitrusnoten

  • Steinfrucht und Karamell

  • Nuss, Kakao, leichte Würze

  • weiche, gut eingebundene Säure

Im Vergleich zu ostafrikanischen Kaffees sind sie:

  • weniger floral

  • runder

  • subtil und harmonisch

Wirtschaftliche Bedeutung – klein, aber zukunftsorientiert

Im Gegensatz zu Tee ist Kaffee heute kein Massenprodukt mehr. Dennoch gewinnt er wieder an Relevanz:

  • überwiegend Kleinbauern

  • zunehmende Direktvermarktung

  • wachsendes Interesse internationaler Spezialitätenröster

  • Diversifizierung landwirtschaftlicher Einkommen

Gerade im Schattenanbau ergänzt Kaffee bestehende Agroforstsysteme sinnvoll.


Kultur und landwirtschaftlicher Kontext

Kaffee ist in Sri Lanka kein tief verankertes Alltagsritual wie in Äthiopien, wird jedoch zunehmend Teil moderner Kaffeekultur:

  • lokale Röstereien entstehen

  • Specialty Cafés in urbanen Zentren

  • Verbindung von Kaffee, Gewürzen und Biodiversität

Viele Farmen setzen bewusst auf:

  • nachhaltigen Mischanbau

  • Bodenschutz

  • biologische Methoden

Fazit – Sri Lanka als leiser, spannender Ursprung

Sri Lanka ist kein lauter Star der Kaffeewelt – aber ein Ursprung mit Geschichte, Potenzial und Charakter.
Die Kombination aus:

  • kolonialer Kaffeehistorie

  • tropischem Hochland

  • kleinen, qualitätsorientierten Farmen

  • ausgewogenen Geschmacksprofilen

macht Ceylon-Kaffee zu einer spannenden Entdeckung für alle, die jenseits der bekannten Klassiker suchen.
Still, elegant und im Wandel – Sri Lanka ist ein Ursprung, den man im Blick behalten sollte. 

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