Philippinen

Kaffeeanbau in Philippinen – Inselvielfalt, Robusta-Tradition und die Rückkehr des Arabica
Die Philippinen gehören zu den wenigen Ländern der Welt, in denen alle vier wirtschaftlich relevanten Kaffeearten angebaut werden: Arabica, Robusta, Liberica und Excelsa. Trotz dieser Besonderheit ist das Land international kaum als Kaffeeursprung bekannt. Der Anbau ist stark kleinbäuerlich geprägt, regional sehr unterschiedlich und lange Zeit auf den Binnenmarkt ausgerichtet gewesen. In den letzten Jahren wächst jedoch das Interesse an Qualität, Herkunft und Spezialitätenkaffee.
Dieser Beitrag zeigt, wo auf den Philippinen Kaffee angebaut wird, welche Sorten dominieren, wie verarbeitet wird und warum der Ursprung zunehmend Beachtung verdient.
Wo wächst Kaffee auf den Philippinen?
Der Kaffeeanbau verteilt sich auf mehrere Inseln und Regionen, jeweils mit eigenen klimatischen und kulturellen Besonderheiten.
Luzon – Hochland und Tradition
Die größte Insel des Landes ist das Zentrum des Arabica-Anbaus.
Typisch sind:
Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.700 Metern
kühles Hochlandklima
kleine Parzellen in Hanglagen
Bekannte Regionen:
Benguet
Ifugao
Mountain Province
Diese Zonen stehen für vergleichsweise klare, ausgewogene Arabica-Profile.
Batangas – Heimat des Barako
Eine historisch bedeutende Region südlich von Manila.
Kennzeichen:
niedrigere Höhenlagen
traditioneller Anbau von Liberica („Barako“)
kräftige, markante Kaffees
Mindanao – Volumen und Vielfalt
Die wichtigste Insel für die Gesamtproduktion.
Typisch:
gemischter Anbau von Robusta, Arabica und Excelsa
fruchtbare Böden
steigende Bedeutung für Qualität und Export
Seit wann wird auf den Philippinen Kaffee angebaut?
Kaffee kam im 18. Jahrhundert mit spanischen Kolonialherren auf die Philippinen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Land zeitweise zu einem der bedeutendsten Kaffeeproduzenten Asiens.
Historische Entwicklung:
Einführung im 18. Jahrhundert
starke Expansion im 19. Jahrhundert
Einbruch durch Kaffeerost
Verlagerung auf Robusta und Liberica
Qualitäts- und Wiederbelebungsinitiativen seit den 2000er-Jahren
Heute befindet sich der philippinische Kaffeesektor im Wiederaufbau.
Anbauhöhen und Klima – tropisch und insular
Das Klima der Philippinen ist tropisch, jedoch durch Höhenlagen und Inselstruktur stark differenziert.
Typische Bedingungen:
Arabica: 1.000–1.700 Meter
Robusta & Liberica: 200–800 Meter
Niederschläge: hoch, saisonal
Temperaturen: warm, in Hochlagen moderater
Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Stilrichtungen, erschwert aber eine gleichmäßige Qualität.
Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?
Die Philippinen sind einzigartig in ihrer Sortenvielfalt.
Arabica
Typica
Bourbon
Catimor
Arabica steht für mildere, ausgewogene Profile.
Robusta
wichtigste Produktionsmenge
robust und ertragreich
zentral für den Binnenmarkt
Liberica (Barako)
kulturell bedeutend
kräftig, rauchig, markant
einzigartig im internationalen Vergleich
Excelsa
selten, meist in Mischkulturen
fruchtig-würzige Noten
zunehmend interessant für Spezialitätenröster
Aufbereitungsmethoden – traditionell mit Entwicklungspotenzial
Die Verarbeitung ist überwiegend einfach und dezentral.
Washed Process
Vor allem bei Arabica:
saubere, klare Tassen
milde Säure
ausgewogene Struktur
Natural Process
Häufig bei Robusta, Liberica und Excelsa:
kräftiger Körper
reifere Fruchtnoten
rustikale Profile
Investitionen in Trocknungsbetten und Schulungen verbessern die Qualität schrittweise.
Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee von den Philippinen?
Philippinische Kaffees sind vielseitig und stark sortenabhängig.
Typische Aromen:
Kakao
Nuss
Karamell
reife Frucht
würzige und rauchige Noten (bei Liberica)
Im Vergleich:
weniger säurebetont als ostafrikanische Kaffees
kräftiger als viele laotische Profile
einzigartig durch Liberica-Charakter
Wirtschaftliche Bedeutung – Fokus auf den Binnenmarkt
Die Philippinen sind ein kaffeekonsumierendes Land und importieren mehr Kaffee, als sie exportieren.
Charakteristisch:
überwiegend Kleinbauern
geringe Exportmengen
steigende lokale Nachfrage
wachsende Specialty-Szene
Qualitätskaffee bietet Chancen für höhere Wertschöpfung im Inland.
Kaffee und Kultur
Kaffee hat auf den Philippinen eine lange, aber wechselhafte Tradition:
Barako als kulturelles Symbol
starker Konsum von löslichem Kaffee
wachsende urbane Café- und Röstszene
steigendes Interesse an lokaler Herkunft
Der Bezug zum eigenen Ursprung gewinnt langsam an Bedeutung.
Fazit – Philippinen als Ursprung mit Vielfalt und Identität
Die Philippinen sind kein homogener Kaffeeursprung, sondern ein Land der Vielfalt.
Die Kombination aus:
mehreren Kaffeearten
insularen Anbauregionen
kultureller Verwurzelung
wachsendem Qualitätsbewusstsein
macht den Ursprung einzigartig.
Noch wenig präsent im internationalen Spezialitätenmarkt – aber mit einer eigenen Identität, die es so kein zweites Mal gibt.



