Madagaskar

Kaffeeanbau in Madagaskar – Inselterroir, Arabica & Robusta und ein Ursprung mit eigenem Charakter
Madagaskar ist als Kaffeeursprung wenig präsent, blickt jedoch auf eine lange Anbaugeschichte zurück. Die große Insel vor der afrikanischen Ostküste bietet sehr unterschiedliche klimatische Zonen – von feuchten Küstenregionen bis zu kühleren Hochlagen im Landesinneren. Kaffee wird hier überwiegend kleinbäuerlich angebaut und spielte lange eine wichtige Rolle im Export. Heute steht Madagaskar zwischen traditioneller Robusta-Produktion und einer vorsichtigen Neuausrichtung hin zu hochwertigem Arabica.
Dieser Beitrag zeigt, wo in Madagaskar Kaffee angebaut wird, welche Sorten dominieren, wie verarbeitet wird und warum der Ursprung wieder Beachtung verdient.
Wo wächst Kaffee in Madagaskar?
Der Kaffeeanbau ist regional breit verteilt, mit klaren Unterschieden zwischen Küste und Hochland.
Zentrales Hochland – Arabica-Zonen
Im höher gelegenen Landesinneren entstehen die besten Arabica-Kaffees des Landes.
Typisch sind:
Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.600 Metern
gemäßigtes Hochlandklima
fruchtbare, teils vulkanische Böden
Diese Regionen stehen für:
mildere Temperaturen
langsamere Reifung
ausgewogenere Profile
Nördliche und nordwestliche Küstenregionen
Historisch bedeutend für Robusta.
Kennzeichen:
niedrige Höhenlagen
feucht-warmes Tropenklima
hohe Erträge
Besonders bekannt ist die Sambirano-Region, die auch für Kakao berühmt ist.
Östliche Küste
Kleinere Anbaugebiete mit starkem Regen.
Typisch:
sehr hohe Niederschläge
robuste Anbausysteme
überwiegend lokale Vermarktung
Seit wann wird in Madagaskar Kaffee angebaut?
Kaffee wurde im 19. Jahrhundert während der französischen Kolonialzeit eingeführt und entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Exportprodukt.
Historische Entwicklung:
Einführung im 19. Jahrhundert
Ausbau von Plantagen und Kleinbauernsystemen
starke Exportorientierung im 20. Jahrhundert
Rückgang durch Marktpreise und Strukturprobleme
neue Qualitätsinitiativen seit den 2000er-Jahren
Madagaskar war zeitweise einer der bedeutenderen Kaffeeexporteure Afrikas, verlor jedoch später an internationaler Präsenz.
Anbauhöhen und Klima – Inselvielfalt als Herausforderung
Madagaskars Größe und Topografie sorgen für sehr unterschiedliche Bedingungen.
Typische Voraussetzungen:
Arabica: 1.000–1.600 Meter
Robusta: 0–800 Meter
Niederschläge: stark regional variierend
Temperaturen: tropisch bis gemäßigt
Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Stilrichtungen, erschwert jedoch einheitliche Qualität.
Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?
Madagaskar baut sowohl Arabica als auch Robusta an.
Arabica
Typica – traditionell verbreitet
Bourbon – süßer, ausgewogener
vereinzelt lokale Selektionen
Arabica aus dem Hochland ist meist mild und harmonisch.
Robusta
lokale Coffea canephora-Varietäten
widerstandsfähig
ertragreich
Robusta dominiert mengenmäßig den Anbau.
Aufbereitungsmethoden – einfach und traditionell
Die Verarbeitung ist überwiegend handwerklich und wenig industrialisiert.
Washed Process
Vor allem bei Arabica:
saubere, klare Tassen
milde Säure
ausgewogene Struktur
Natural Process
Häufig bei Robusta:
kräftiger Körper
erdige, kakaohaltige Aromen
Technische Ausstattung und Infrastruktur variieren stark je nach Region.
Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus Madagaskar?
Madagassische Kaffees sind meist mild, rund und wenig säurebetont.
Typische Aromen:
Kakao
Nuss
Karamell
dezente Frucht
Im Vergleich:
weniger lebendig als ostafrikanische Kaffees
weicher als viele südostasiatische Robustas
gut geeignet für klassische Röstprofile
Wirtschaftliche Bedeutung – zwischen Vergangenheit und Neuorientierung
Kaffee bleibt für viele Regionen ein wichtiges Einkommen, hat jedoch an internationaler Bedeutung verloren.
Charakteristisch:
überwiegend Kleinbauern
geringe Mechanisierung
schwankende Exportmengen
zunehmende Bedeutung alternativer Agrarprodukte (z. B. Vanille)
Qualitätsprogramme könnten dem Kaffeeanbau wieder stärkere Perspektiven eröffnen.
Kaffee und Gesellschaft
Kaffee ist in Madagaskar Teil des ländlichen Alltags:
Anbau als Einkommensquelle
lokale Verarbeitung
geringer Inlands- und Veredelungskonsum
Eine ausgeprägte Specialty-Kultur existiert bislang kaum.
Fazit – Madagaskar als Ursprung mit Geschichte
Madagaskar ist ein Kaffeeursprung mit langer Tradition und großer geografischer Vielfalt.
Die Kombination aus:
Inselterroir
Arabica-Hochland
Robusta-Tiefland
kleinbäuerlichen Strukturen
macht den Ursprung interessant, aber herausfordernd.
Noch kein fester Bestandteil der Spezialitätenwelt – doch mit Potenzial für eine behutsame Wiederentdeckung.



