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Kamerun

Kaffeeanbau in Kamerun – Hochlandregionen, Arabica & Robusta und ein Ursprung zwischen Tradition und Neuausrichtung

Kamerun zählt zu den vielseitigsten, aber zugleich unterschätzten Kaffeeländern Afrikas. Als eines der wenigen Länder baut Kamerun sowohl Arabica als auch Robusta in nennenswertem Umfang an. Lange Zeit stand der Ursprung vor allem für Volumen, doch zunehmend entstehen qualitätsorientierte Projekte, die das Potenzial der unterschiedlichen Regionen wieder sichtbar machen.
Dieser Beitrag zeigt, wo in Kamerun Kaffee angebaut wird, welche Sorten dominieren, wie sich Arabica und Robusta unterscheiden und warum Kamerun als Ursprung neue Aufmerksamkeit verdient.


Wo wächst Kaffee in Kamerun?

Der Kaffeeanbau verteilt sich auf mehrere geografisch und klimatisch sehr unterschiedliche Regionen.


Westregion – Arabica-Hochland

Das Zentrum des hochwertigen Arabica-Anbaus.
Typisch sind:

  • Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern

  • vulkanische, mineralreiche Böden

  • kühleres Hochlandklima

Bekannte Zonen:

  • Bafoussam

  • Dschang

  • Bamenda Highlands

Diese Region steht für ausgewogene, klare Arabica-Profile.


Adamaua-Hochland

Eine weitere Arabica-Zone mit etwas wärmeren Bedingungen.
Kennzeichen:

  • weite Hochebenen

  • moderate Säure

  • runde, harmonische Tassen

Küsten- und Tieflandregionen – Robusta-Gürtel

Robusta dominiert in tieferen, feucht-warmen Lagen.
Typisch:

  • Höhenlagen unter 800 Metern

  • hohe Luftfeuchtigkeit

  • kräftige, körperreiche Kaffees

Seit wann wird in Kamerun Kaffee angebaut?

Kaffee wurde im späten 19. Jahrhundert während der deutschen Kolonialzeit eingeführt und später unter französischer und britischer Verwaltung weiter ausgebaut.

Historische Entwicklung:

  • Einführung Ende des 19. Jahrhunderts

  • Ausbau von Plantagen und Kleinbauernsystemen

  • staatliche Vermarktung und Preisregulierung

  • Liberalisierung in den 1990er-Jahren

  • neue Qualitätsinitiativen seit den 2010er-Jahren

Die wechselvolle Geschichte prägte Struktur und Image des kamerunischen Kaffees stark.


Anbauhöhen und Klima – Vielfalt als Herausforderung

Kameruns Lage zwischen Äquator und Sahel sorgt für große klimatische Unterschiede.

Typische Bedingungen:

  • Arabica: 1.200–1.800 Meter

  • Robusta: 200–800 Meter

  • Niederschläge: regional sehr unterschiedlich

  • Temperaturen: von tropisch-heiß bis gemäßigt

Diese Vielfalt ermöglicht unterschiedliche Stilrichtungen, erschwert aber gleichbleibende Qualität.


Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?

Kamerun baut beide wirtschaftlich relevanten Kaffeearten an.


Arabica

  • Java – historisch verbreitet

  • Bourbon – süßer und ausgewogener

  • Typica – vereinzelt

Arabica aus Kamerun ist oft mild, rund und ausgewogen.


Robusta

  • lokale Coffea-canephora-Varietäten

  • sehr widerstandsfähig

  • hohe Erträge

Robusta bildet mengenmäßig das Rückgrat des Sektors.


Aufbereitungsmethoden – traditionell mit Entwicklungspotenzial

Die Verarbeitung erfolgt überwiegend einfach und dezentral.


Washed Process

Vor allem bei Arabica:

  • saubere, klare Profile

  • moderate Säure

  • gute Balance

Natural Process

Häufig bei Robusta:

  • kräftiger Körper

  • erdige, kakaohaltige Noten

Moderne Washing Stations und bessere Trocknungstechniken sind bislang punktuell vorhanden, gewinnen jedoch an Bedeutung.


Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus Kamerun?

Kamerun bietet eine breite sensorische Palette.

Typische Arabica-Aromen:

  • Nuss

  • Kakao

  • milde Zitrusnoten

  • Karamell

Typische Robusta-Profile:

  • dunkle Schokolade

  • Holz

  • Gewürze

  • kräftiger Körper

Im Vergleich:

  • milder als viele ostafrikanische Kaffees

  • strukturierter als klassische Tiefland-Robustas

  • vielseitig, aber oft unterschätzt

Wirtschaftliche Bedeutung – Potenzial statt Präsenz

Kaffee ist für Kamerun wirtschaftlich weniger dominant als Kakao, bleibt aber relevant.

Charakteristisch:

  • hunderttausende Kleinbauern

  • sehr kleine Parzellen

  • schwankende Exportmengen

  • wachsende Rolle von Qualitätsprogrammen

Eine stärkere Qualitätsfokussierung könnte Kameruns Rolle im Spezialitätenmarkt deutlich stärken.


Kaffee und Gesellschaft

Kaffee ist in Kamerun Teil des ländlichen Alltags:

  • Anbau als Einkommensquelle

  • lokale Vermarktung

  • begrenzte, aber wachsende Kaffeekultur

Wissensaustausch und Ausbildung gewinnen zunehmend an Bedeutung.


Fazit – Kamerun als Ursprung mit ungenutztem Potenzial

Kamerun ist kein homogener Kaffeeursprung, sondern ein Land der Gegensätze.
Die Kombination aus:

  • Arabica-Hochland

  • großem Robusta-Anteil

  • vielfältigen Klimazonen

  • neuen Qualitätsinitiativen

macht Kamerun zu einem Ursprung mit viel ungenutztem Potenzial.
Noch kein fester Spezialitätenklassiker – aber ein Land, das bei konsequenter Entwicklung wieder stärker auf der Kaffeekarte erscheinen dürfte.

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