Kambodscha

Kaffeeanbau in Kambodscha – Hochlandregionen, Kleinbauern und ein Ursprung im Aufbau
Kambodscha gehört zu den jüngsten und zugleich unbekanntesten Kaffeeursprüngen Südostasiens. Der Anbau ist klein, regional begrenzt und stark von einfachen Strukturen geprägt. Lange Zeit spielte Kaffee kaum eine Rolle im Export, doch in den letzten Jahren entstehen in abgelegenen Hochlandregionen erste qualitätsorientierte Projekte. Noch steht Kambodscha am Anfang seiner Entwicklung – bietet aber genau deshalb spannendes Potenzial.
Dieser Beitrag zeigt, wo in Kambodscha Kaffee angebaut wird, welche Sorten dominieren, wie verarbeitet wird und warum der Ursprung zunehmend Aufmerksamkeit erhält.
Wo wächst Kaffee in Kambodscha?
Der Kaffeeanbau konzentriert sich auf wenige Hochlandregionen im Osten und Nordosten des Landes.
Mondulkiri – Zentrum des Kaffeeanbaus
Die wichtigste und bekannteste Region Kambodschas.
Typisch sind:
Höhenlagen zwischen 800 und 1.200 Metern
leicht hügeliges Hochland
vergleichsweise kühles, feuchtes Klima
Mondulkiri steht für:
überwiegend kleinbäuerlichen Anbau
einfache, naturnahe Produktionsweisen
wachsendes Interesse an Qualitätsverbesserung
Ratanakiri – abgelegen und ursprünglich
Eine kleinere, sehr dünn besiedelte Region im Nordosten.
Kennzeichen:
höhere Niederschläge
geringe Infrastruktur
sehr limitierte Produktionsmengen
Diese Region gilt als experimentelles Gebiet mit langfristigem Potenzial.
Seit wann wird in Kambodscha Kaffee angebaut?
Kaffee kam während der französischen Kolonialzeit nach Kambodscha, spielte jedoch lange keine wirtschaftlich relevante Rolle.
Die Entwicklung in groben Zügen:
Einführung Anfang des 20. Jahrhunderts
geringe staatliche Förderung
Fokus auf andere Agrarprodukte (Reis, Pfeffer, Kautschuk)
punktuelle Entwicklungsprojekte seit den 2000er-Jahren
erste Specialty-Initiativen in den letzten Jahren
Der Kaffeeanbau ist bis heute nicht industrialisiert und stark lokal geprägt.
Anbauhöhen und Klima – tropisches Hochland mit Grenzen
Kambodschas Kaffee wächst in vergleichsweise niedrigen Höhenlagen, was die sensorischen Möglichkeiten begrenzt, aber stabile Erträge ermöglicht.
Typische Bedingungen:
Höhenlagen: 700–1.200 Meter
Temperaturen: warm, aber in Hochlagen moderater
Niederschläge: hoch und saisonal
Diese Faktoren begünstigen:
gleichmäßige Reifung
moderate Säure
runde, einfache Profile
Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?
Der Kaffeeanbau ist gemischt, mit deutlicher Dominanz robuster Sorten.
Robusta
Historisch und mengenmäßig führend:
widerstandsfähig
hohe Erträge
wichtig für den lokalen Markt
Arabica
In kleineren Mengen, vor allem in Mondulkiri:
Catimor
Typica (vereinzelt)
Arabica aus Kambodscha wird zunehmend gezielt für Qualitätslots angebaut.
Aufbereitungsmethoden – einfach und funktional
Die Verarbeitung erfolgt meist auf Farmniveau oder in kleinen Gemeinschaftsstrukturen.
Washed Process (gewaschen)
Der häufigste Ansatz bei Arabica:
saubere, einfache Tassen
milde Säure
klare Struktur
Natural Process
Vor allem bei Robusta verbreitet:
kräftiger Körper
reife, dunklere Aromen
Technische Ausstattung und Kontrolle sind noch begrenzt, entwickeln sich jedoch schrittweise.
Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus Kambodscha?
Kambodschanische Kaffees sind meist mild, rund und unaufgeregt.
Typische Aromen:
Nuss
Kakao
Karamell
dezente Frucht
Im Vergleich:
weniger komplex als laotische Hochlandkaffees
weicher als viele indonesische Robustas
gut geeignet für Blends oder milde Röstungen
Wirtschaftliche Bedeutung – klein, aber wachsend
Kaffee spielt in der kambodschanischen Landwirtschaft bislang eine untergeordnete Rolle.
Charakteristisch:
sehr kleine Produktionsmengen
lokale Vermarktung
zunehmende Unterstützung durch Entwicklungsprojekte
wachsendes Interesse internationaler Akteure
Für viele Hochlandregionen kann Kaffee langfristig eine zusätzliche Einkommensquelle werden.
Kaffee und Gesellschaft
Kaffee ist in Kambodscha kein traditionelles Kulturgut, gewinnt jedoch langsam an Bedeutung:
steigender Konsum in urbanen Zentren
erste lokale Röstereien
Verbindung von Kaffeeanbau und ländlicher Entwicklung
Der Fokus liegt klar auf Aufbau und Wissensvermittlung.
Fazit – Kambodscha als Ursprung im Entstehen
Kambodscha ist kein etablierter Kaffeeursprung, sondern ein Land im Aufbau.
Die Kombination aus:
abgelegenen Hochlandregionen
kleinbäuerlichen Strukturen
ersten Qualitätsinitiativen
wachsender internationaler Aufmerksamkeit
macht den Ursprung langfristig interessant.
Noch leise und unauffällig – aber mit Entwicklungspotenzial für die kommenden Jahre.



