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Jemen

Kaffeeanbau im Jemen – Terrassenhochland, Mocha-Legende und der Ursprung des globalen Kaffeehandels

Der Jemen nimmt eine einzigartige Stellung in der Kaffeewelt ein. Obwohl Kaffee botanisch aus Äthiopien stammt, begann der weltweite Handel mit Kaffee im Jemen. Über den Hafen von Mocha gelangte das Getränk ab dem 15. Jahrhundert in die arabische Welt, nach Europa und schließlich in den Rest der Welt. Bis heute steht jemenitischer Kaffee für ursprünglichen Anbau, extreme Handarbeit und unverwechselbare, wilde Aromaprofile.
Dieser Beitrag zeigt, wo im Jemen Kaffee angebaut wird, welche Sorten dominieren, wie verarbeitet wird und warum Kaffee aus dem Jemen trotz aller Herausforderungen eine Ikone bleibt.


Wo wächst Kaffee im Jemen?

Der Kaffeeanbau konzentriert sich auf hochgelegene, gebirgige Regionen im Westen des Landes.


Haraz-Gebirge – ikonisches Terrassenland

Eine der bekanntesten Anbauregionen.
Typisch sind:

  • Höhenlagen zwischen 1.600 und 2.400 Metern

  • spektakuläre Steinterrassen

  • extrem trockene Bedingungen

Haraz steht für:

  • komplexe, dichte Kaffees

  • ausgeprägte Süße

  • unverwechselbare Würze

Bani Matar

Historisch eng mit dem Namen „Mocha“ verbunden.
Kennzeichen:

  • hohe Lagen

  • sehr alte Kaffeebäume

  • kleinste Parzellen

Ismaili, Sana’a und Al Mahwit

Weitere bedeutende Hochlandregionen mit ähnlichen Bedingungen, aber leicht variierenden Geschmacksprofilen.


Seit wann wird im Jemen Kaffee angebaut?

Der Jemen ist das erste Land, in dem Kaffee systematisch angebaut, verarbeitet und gehandelt wurde.

Historische Entwicklung:

  • Beginn des Kaffeeanbaus im 15. Jahrhundert

  • Monopolstellung im globalen Kaffeehandel über Jahrhunderte

  • Verbreitung von Kaffee in die islamische Welt und nach Europa

  • Verlust der Vormachtstellung durch kolonialen Anbau anderswo

  • Erhalt traditioneller Strukturen bis heute

Der Begriff „Mocha“ ist ursprünglich eine Herkunftsbezeichnung – kein Geschmackszusatz.


Anbauhöhen und Klima – extrem und einzigartig

Der Jemen zählt zu den anspruchsvollsten Kaffeeursprüngen weltweit.

Typische Voraussetzungen:

  • Höhenlagen: 1.500–2.500 Meter

  • Niederschläge: sehr gering

  • Bewässerung: Regen- und Quellwasser

  • Temperaturen: starke Tag-Nacht-Schwankungen

Diese Bedingungen führen zu:

  • extrem langsamer Reifung

  • sehr kleinen, dichten Bohnen

  • intensiver Zucker- und Aromenkonzentration

Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?

Der Jemen verfügt über sehr alte, genetisch einzigartige Arabica-Linien.

Typisch sind:

  • Jemenitische Landrassen (z. B. Udaini, Dawairi, Tufahi)

  • keine modernen Hybride

  • große genetische Vielfalt

Diese Varietäten sind:

  • niedrig ertragreich

  • hoch aromatisch

  • perfekt an extreme Bedingungen angepasst

Aufbereitungsmethoden – traditionell und kompromisslos

Im Jemen wird Kaffee fast ausschließlich trocken verarbeitet.


Natural Process (trocken)

Der klassische Standard:

  • Trocknung ganzer Kirschen auf Dächern oder Terrassen

  • lange Trocknungszeiten

  • intensive Fermentation

Das Ergebnis:

  • sehr komplexe, wilde Profile

  • hohe Süße

  • ausgeprägte Frucht- und Würznoten

Washed oder moderne Verfahren sind praktisch unbekannt.


Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus dem Jemen?

Jemenitischer Kaffee ist unverwechselbar und polarisierend.

Typische Aromen:

  • Trockenfrüchte (Dattel, Rosine)

  • dunkle Beeren

  • Kakao

  • Gewürze

  • teils fermentige Noten

Im Vergleich:

  • wilder als äthiopische Naturals

  • dichter und komplexer als die meisten Hochlandkaffees

  • einzigartig und nicht reproduzierbar

Wirtschaftliche Bedeutung – Kaffee unter extremen Bedingungen

Kaffee ist für viele Hochlandregionen eine wichtige Einkommensquelle.

Charakteristisch:

  • extrem kleine Parzellen

  • vollständige Handarbeit

  • kaum Infrastruktur

  • Konkurrenz durch Qat-Anbau

Direktprojekte und spezialisierte Exporteure sind entscheidend für Qualität und Existenzsicherung.


Kaffee und Kultur

Kaffee ist tief in der Geschichte des Jemen verwurzelt:

  • Ursprung des Kaffeehandels

  • religiöse und soziale Bedeutung

  • jahrhundertealte Anbaumethoden

  • starkes kulturelles Erbe

Auch heute ist Kaffee ein Symbol nationaler Identität.


Fazit – Jemen als Herz der Kaffeegeschichte

Der Jemen ist kein einfacher Ursprung – weder wirtschaftlich noch sensorisch.
Die Kombination aus:

  • extremen Hochlagen

  • jahrhundertealten Landrassen

  • kompromissloser Natural-Aufbereitung

  • historischer Bedeutung

macht jemenitischen Kaffee zu einer Legende der Kaffeewelt.
Ungezähmt, komplex und tief verwurzelt in der Geschichte – Jemen ist kein Trend, sondern Ursprung.

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