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China

Kaffeeanbau in China – Regionen, Entwicklung, Sorten und Besonderheiten eines jungen Ursprungs

China wird weltweit mit Tee assoziiert – doch parallel dazu hat sich in den letzten Jahrzehnten ein bemerkenswerter Kaffeesektor entwickelt. Besonders im Südwesten des Landes entstehen Kaffees, die zunehmend internationale Aufmerksamkeit erhalten. Was lange Zeit ein Randprodukt war, entwickelt sich heute zu einem eigenständigen Ursprung mit klarer Qualitätsambition.
Dieser Beitrag zeigt, wo in China Kaffee angebaut wird, wie sich der Anbau entwickelt hat, welche Sorten dominieren und wodurch sich chinesischer Kaffee sensorisch auszeichnet.


Wo wächst Kaffee in China?

Der chinesische Kaffeeanbau ist stark regional konzentriert. Rund 95 % der Produktion stammen aus einer einzigen Provinz.


Yunnan – Zentrum des chinesischen Kaffees

Die südwestliche Provinz Yunnan ist das Herz des Kaffeeanbaus.
Typisch sind:

  • Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.800 Metern

  • subtropisches Hochlandklima

  • fruchtbare, teils vulkanisch geprägte Böden

  • Kleinbauernstrukturen mit zunehmender Professionalisierung

Innerhalb Yunnans sind besonders bekannt:

  • Pu’er

  • Baoshan

  • Dehong

Diese Regionen bieten stabile Bedingungen für Arabica-Kaffee und gelten als chinesische Spezialitätenzentren.


Kleinere Anbaugebiete

In sehr begrenztem Umfang existieren weitere Anbauversuche in:

  • Hainan

  • Fujian

  • Sichuan
    Sie spielen mengen- und qualitätsmäßig bislang eine untergeordnete Rolle.

Seit wann wird in China Kaffee angebaut?

Kaffee kam vergleichsweise spät nach China. Erste Pflanzungen lassen sich auf das späte 19. Jahrhundert zurückführen, doch systematischer Anbau begann erst deutlich später.

Die Entwicklung in Etappen:

  • vereinzelte Einführung durch Missionare

  • staatliche Programme ab den 1980er-Jahren

  • Ausbau durch internationale Kooperationen (u. a. mit globalen Röstereien)

  • Qualitätsfokus und Specialty-Bewegung seit ca. 2010

Während Kaffee lange als Rohstoff angebaut wurde, verschiebt sich der Fokus heute klar in Richtung Qualität, Rückverfolgbarkeit und Eigenprofil.


Anbauhöhen und Klima – subtropisches Hochland mit Stabilität

Die Kaffeegebiete Yunnans profitieren von besonderen geografischen Bedingungen:

  • Höhenlagen: 1.000–1.800 Meter

  • Temperaturen: mild, wenig Extreme

  • Regen: ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten

Diese Faktoren ermöglichen:

  • gleichmäßige Reifung

  • ausgewogene Zuckerentwicklung

  • vergleichsweise konsistente Ernten

Das Klima ist weniger volatil als in vielen tropischen Regionen, was zu einer hohen Grundqualität beiträgt.


Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?

Der chinesische Kaffeeanbau ist stark arabica-dominiert. Die Sortenwahl ist überschaubar, entwickelt sich jedoch weiter.

Häufige Varietäten:

  • Catimor – robust, ertragreich, lange Standard

  • Typica – zunehmend für Qualitätslots

  • Bourbon – wachsender Anteil im Spezialitätenbereich

  • Caturra & Geisha – vereinzelt in experimentellen Projekten

In den letzten Jahren investieren Produzenten verstärkt in:

  • sortenreine Parzellen

  • angepasste Pflanzdichten

  • gezielte Selektionen

Aufbereitungsmethoden – von industriell zu handwerklich

Traditionell wurde chinesischer Kaffee überwiegend gewaschen und standardisiert verarbeitet. Das ändert sich zunehmend.


Washed Process (gewaschen)

Lange Zeit dominierend:

  • saubere, gleichmäßige Profile

  • milde Säure

  • hohe Konsistenz

Natural, Honey & kontrollierte Fermentation

Mit dem Aufkommen der Specialty-Szene:

  • fruchtigere, komplexere Profile

  • mehr Süße und Körper

  • experimentelle Lots mit klarer Handschrift

Moderne Washing Stations und Farm-Microlots gewinnen deutlich an Bedeutung.


Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus China?

Chinesische Kaffees sind selten extrem, sondern klar, strukturiert und zugänglich.

Typische Aromen:

  • Nuss und Schokolade

  • Karamell, Honig

  • Steinfrucht, rote Beeren (bei Naturals)

  • dezente Säure, weicher Körper

Im Vergleich zu:

  • ostafrikanischen Kaffees: weniger floral

  • lateinamerikanischen Kaffees: oft runder, milder

China positioniert sich sensorisch zwischen Klassik und moderner Eleganz.


Wirtschaftliche Bedeutung – klein im Export, groß im Binnenmarkt

Global spielt China als Exportland noch eine geringe Rolle. Innerhalb des Landes jedoch wächst der Kaffeemarkt rasant.

Kennzeichnend sind:

  • Millionen neue Konsumenten

  • urbane Specialty-Cafés

  • steigende Nachfrage nach lokalem Kaffee

  • Direktvermarktung innerhalb Chinas

Für viele Produzenten ist der heimische Markt wirtschaftlich attraktiver als der Export.


Kaffee und Kultur – jung, dynamisch, urban

Kaffee hat in China keine jahrtausendealte Tradition, entwickelt aber eine eigene Dynamik:

  • junge Röstereien und Barista-Szenen

  • starke Innovationsfreude

  • Verbindung von Technologie, Design und Kaffee

  • wachsendes Qualitätsbewusstsein

Besonders Städte wie Shanghai, Shenzhen und Kunming treiben diese Entwicklung voran.


Fazit – China als Ursprung im Aufbau

China ist kein klassisches Kaffeeland – aber eines mit enormem Entwicklungspotenzial.
Die Kombination aus:

  • stabilen Hochlandbedingungen

  • wachsendem Know-how

  • experimentierfreudigen Produzenten

  • starkem Binnenmarkt

macht chinesischen Kaffee zu einem der spannendsten jungen Ursprünge der Gegenwart.
Noch leise, aber stetig lauter – China ist ein Ursprung, den man künftig ernst nehmen sollte. 

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