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Wasserqualität

Der entscheidende Faktor für Klarheit, Süße und Extraktion im Kaffee

Glas Wasser

Wasser macht je nach Zubereitungsmethode etwa 94–99 % des fertigen Kaffees aus und ist damit einer der wichtigsten, aber am häufigsten unterschätzten Einflussfaktoren. Seine chemische Zusammensetzung bestimmt, wie effektiv Aromastoffe aus dem Kaffeemehl gelöst werden – und ob der Geschmack klar, ausgewogen und süß wirkt oder flach, bitter, sauer oder mineralisch stumpf.

Warum Mineralien im Wasser wichtig sind

Die Extraktion von Kaffee erfolgt über gelöste Mineralien im Wasser. Vor allem zwei Werte spielen eine zentrale Rolle:

1. Gesamthärte (GH – Calcium & Magnesium)

  • Magnesium fördert Süße, Klarheit und fruchtige Akzente

  • Calcium betont Körper und Tiefe

  • Zu wenig Mineralien → unterextrahierter, saurer, dünner Kaffee

  • Zu viele Mineralien → dumpfer, bitterer Geschmack

2. Karbonathärte (KH – Hydrogencarbonat / Alkalinität)

  • Reguliert den pH-Puffer des Wassers

  • Stabilisiert oder neutralisiert Säuren aus dem Kaffee

  • Zu geringe Alkalinität → spitze, unangenehme Säure

  • Zu hohe Alkalinität → flache und langweilige Aromen

Empfohlene Wasserwerte für guten Kaffee

Für die meisten Zubereitungsmethoden gelten folgende idealen Orientierungen:

Parameter

 

Optimalbereich

Gesamthärte (GH)50–100 ppm

Karbonathärte (KH/Alkalinität)30–60 ppm

Gesamt-TDS (gelöste Stoffe)ca. 75–150 ppm

pH-Wertneutral bis leicht unter neutral (6.5–7.5)

Diese Werte sorgen für ein Gleichgewicht zwischen Säure, Süße, Körper und Klarheit.

Warum Leitungswasser nicht immer ideal ist

Abhängig von Region und Versorgungsnetz kann Leitungswasser:

  • zu hart sein (Kalk, Bitterkeit, Maschinenverkalkung)

  • zu weich sein (flach, dünn, unterextrahiert)

  • zu hohe Alkalinität haben (muffige oder „kreidige“ Geschmackswirkung)

  • Chlor oder andere Aufbereitungsstoffe enthalten (Fehlaromen)

Deshalb schmeckt der gleiche Kaffee in unterschiedlichen Städten verschieden.

Gefiltertes Wasser – oft die sinnvollste Lösung

Filterung kann:

  • Chlor, Geruchs- und Geschmacksstoffe entfernen

  • Alkalinität reduzieren

  • Mineralien teilweise balancieren

  • Maschinen vor Verkalkung schützen

Arten der Filterung:

  • Aktivkohlefilter → Geschmack & Geruch

  • Ionentauschfilter → Härtereduktion

  • Umkehrosmose + Re-Mineralisierung → maximale Kontrolle

  • Kartuschenfilter (z. B. Kanne) → praktische Alltagslösung

Wasser für Espresso vs. Filterkaffee

Espresso

  • benötigt stabilere Alkalinität, um Säuren zu balancieren

  • zu harte Werte führen schnell zu Verkalkung

  • zu weiches Wasser ergibt spitze, unangenehme Säure

Filter & Pour Over

  • profitieren von magnesiumbetontem Wasser für Klarheit

  • sehr harte Werte trüben Süße und aromatische Differenzierung

Sensorische Auswirkungen im Geschmack

Wasserfehler               Geschmacksergebnis

zu weich                      sauer, grasig, dünn

zu hart                         bitter, mineralisch, schwer

zu hoch alkalisch        flach, stumpf, papierartig

chlorhaltig                  chemisch, kratzig

ideal mineralisiert       süß, klar, ausgewogen

Praktische Empfehlungen für Zuhause

  • Wenn Kaffee zu sauer schmeckt → Wasser mit höherer Alkalinität

  • Wenn Kaffee bitter oder dumpf wirkt → weichere Mineralisierung

  • Für Espresso: Wasser mit mittlerer Härte

  • Für Filterkaffee: Wasser mit magnesiumbetonter Mineralität

  • Für Maschinen: Werte vermeiden, die zu stark verkalken

Warum Wasserqualität langfristig Kosten spart

  • weniger Verkalkung

  • stabiler Brühdruck

  • konstantere Temperatur

  • längere Lebensdauer von Ventilen, Leitungen und Kesseln

Was soll ich tun, wenn…? – Wasserbezogene Problemlösungen beim Kaffee

…mein Kaffee sauer schmeckt?

Das deutet oft auf zu weiches Wasser oder zu geringe Alkalinität hin.


Was hilft:

  • Wasser mit mehr Mineralien verwenden

  • Filter wählen, der nicht zu stark entmineralisiert

  • Bei Espressomaschinen kein reines Destillat oder Osmosewasser nutzen

…mein Kaffee bitter oder stumpf schmeckt?

Dies tritt häufig bei hartem Wasser mit viel Calcium auf.


Was hilft:

  • gefiltertes oder weicheres Wasser verwenden

  • Ionentausch- oder Kartuschenfilter nutzen

  • Bei Espressomaschinen: Verkalkung prüfen

…mein Kaffee dünn, wässrig oder ausdruckslos wirkt?

Hier fehlt dem Wasser oft Magnesium, das Aromen trägt.


Was hilft:

  • Wasser mit höherem Magnesiumanteil probieren

  • manche Mineralwässer funktionieren überraschend gut

  • bei Filterkaffee besonders relevant

…mein Kaffee muffig, kreidig oder „staubig“ schmeckt?

Das deutet auf zu hohe Karbonathärte / Alkalinität hin.


Was hilft:

  • Wasser wechseln oder filtern

  • Kannenfilter zur Reduktion nutzen

  • Bei Espresso: Einfluss sehr deutlich spürbar

…mein Kaffee nach Schwimmbad oder Chemie riecht?

Ursache ist meist Chlor im Leitungswasser.


Was hilft:

  • Aktivkohlefilter verwenden

  • Wasser kurz stehen lassen

  • alternatives Trinkwasser nutzen

…mein Kaffee je nach Stadt oder Urlaubsort anders schmeckt?

Ganz normal – Wasserzusammensetzung variiert regional.


Was hilft:

  • lokale Härtegrade prüfen

  • Filter oder Mineralwasser als konstante Basis nutzen

…meine Maschine schnell verkalkt?

Zeichen für hohe Gesamthärte.


Was hilft:

  • weicheres Wasser verwenden

  • regelmäßige Entkalkung

  • bei Siebträgern: Wasserwerte beachten

Schnelle Orientierung – welches Wasser für welche Methode?

Filterkaffee / Handfilter
→ magnesiumbetont, weich bis mittel

Siebträger / Espresso
→ mittlere Härte, moderate Alkalinität

French Press
→ weich bis mittel, nicht zu mineralisch

AeroPress
→ flexibel, aber weiches Wasser bringt mehr Klarheit

Cold Brew
→ mildes Wasser, da lange Kontaktzeit

Praktische Faustregeln für Einsteiger

⭐ Wenn der Kaffee zu sauer schmeckt → mineralreicheres Wasser
⭐ Wenn der Kaffee zu bitter schmeckt → weicheres Wasser
⭐ Wenn der Kaffee flach schmeckt → Magnesium erhöhen
⭐ Wenn die Maschine verkalkt → Wasserhärte reduzieren

Fließende Wasserwelle
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