
Kaffeeanbau in Europa
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Zu Besuch auf der Finca Los Castaños auf Gran Canaria
Gran Canaria ist vor allem für Sonne, Strände und beeindruckende Vulkanlandschaften bekannt. Doch nur wenige wissen, dass sich im grünen Tal von Agaete im Nordwesten der Insel ein ganz besonderes landwirtschaftliches Gebiet befindet: das einzige Kaffeeanbaugebiet Europas.
Seit dem 19. Jahrhundert wird hier Kaffee angebaut – in kleinen Familienbetrieben, geprägt von Handarbeit, Tradition und einem außergewöhnlichen Mikroklima. Eine der bekanntesten Plantagen ist die Finca Los Castaños, die nicht nur Kaffee produziert, sondern Besuchern auch einen seltenen Einblick in den gesamten Weg von der Pflanze bis zur fertigen Tasse ermöglicht.
Wir hatten die Gelegenheit, die Finca zu besuchen und mit den Betreibern über Geschichte, Anbau, Herausforderungen und Besonderheiten des Kaffees aus Gran Canaria zu sprechen. Im folgenden Interview gibt Davide Biondi spannende Einblicke in die Arbeit und in ein Kaffeeprojekt, das es so in Europa nur hier gibt.

Interview mit Davide Biondi
Unser Besuch auf der Finca Los Castaños

Frage: Davide, wir stehen hier auf Gran Canaria im Valle de Agaete. Einer wirklich einzigartigen Region in Europa. Erzähle uns doch ein wenig über euren Betrieb und über die Geschichte eurer Finca.
Antwort:
Die Finca Los Castaños liegt im Valle de Agaete im Nordwesten von Gran Canaria – dem einzigen Ort Europas, an dem Kaffee traditionell und mit tatsächlicher Produktion angebaut wird.
Der Kaffee kam im 19. Jahrhundert ins Tal, als Händler und Auswanderer Pflanzen aus Amerika mitbrachten. Seitdem wird er auf kleinen familiären Parzellen kultiviert. Unsere Finca ist Teil dieser historischen Tradition, und in den letzten Jahren haben wir die Bewirtschaftung professionalisiert, indem wir traditionelle Landwirtschaft mit einer modernen und nachhaltigen Projektvision verbinden.
Heute produziert die Finca nicht nur Kaffee, sondern öffnet auch ihre Türen für Besucher, die den gesamten Prozess kennenlernen möchten – von der Pflanze bis zur Tasse.
Frage: Wie seid ihr organisiert, was sind deine Aufgaben und wie groß ist euer Team ?
Antwort:
Die Finca wird von mir geleitet. Ich koordiniere sowohl den landwirtschaftlichen Bereich als auch die Organisation der Besuche, die strategische Entwicklung und die Erweiterung des Projekts.
Wir verfügen über ein kleines Team, das sich um die Pflege der Plantage, die manuelle Kaffeeernte, die Durchführung der Führungen sowie die administrativen Aufgaben und Kommunikation kümmert. Wir sind ein überschaubares Team, was es uns ermöglicht, einen persönlichen, authentischen und sehr nahen Ansatz zu bewahren.
Frage: Wo liegt der Hauptfokus eures Betriebes ?
Antwort:
Unser Hauptfokus liegt darauf, den gesamten Kaffeeprozess sichtbar zu machen: von der Pflanze, der Blüte und der reifen Kaffeekirsche bis hin zur Trocknung, Röstung und abschließenden Verkostung.
Wir möchten, dass Besucher verstehen, was wirklich hinter einer Tasse Kaffee steckt: die Handarbeit, das Mikroklima, der vulkanische Boden, die Geduld und die Tradition. Über die Produktion hinaus ist die Finca auch ein Bildungs- und Kulturraum rund um das Thema Kaffee.
Frage: Jetzt zur fast brennendsten Frage - Welche Sorten baut ihr an und wieviel Plantagenfläche habt ihr ?
Antwort:
Wir bauen hauptsächlich die Sorten Coffea Arabica Typica und Gesha (Geisha) an.
Beide Sorten passen sich gut an das Mikroklima des Valle de Agaete an, wobei der Ertrag aufgrund der geografischen Gegebenheiten und der kleinen Parzellengrößen begrenzt ist. Die Produktion ist klein und handwerklich geprägt. Die gesamte Ernte erfolgt manuell und selektiv, wobei ausschließlich reife Kirschen gepflückt werden. Die Größe der Plantagenfläche liegt bei 4 Hektar.
Frage: Mir ist aufgefallen, dass hier außer Kaffeesträuchern noch eine Menge anderer Gewächse vorhanden sind ? Warum ist das so ?
Antwort:
Auf der Finca wachsen außerdem Obstbäume wie Avocados, Zitrusfrüchte, Papaya, Acerola, Mangos, Passionsfrucht und andere traditionelle Kulturen des Tals. Dadurch entsteht ein gemischtes landwirtschaftliches Ökosystem, das die Biodiversität fördert und für ein natürliches Gleichgewicht sorgt.
Frage: Wie wird der Kaffee in eurem Betrieb verarbeitet ?
Antwort:
Der Prozess ist traditionell und vollständig handwerklich. Die Ernte erfolgt selektiv und manuell. Gefolgt von natürlicher Sonnentrocknung und dann das Entpulpen. Die Röstung erfolgt in kleinen Mengen.
Während der Führung können Besucher, so wie du es erlebt hast, alle diese Phasen sehen und verstehen, wie sie das finale Geschmacksprofil in der Tasse beeinflussen.
Frage: Gran Canaria ist ja eine Insel mit einer Landschaft, wie sie wechselhafter nicht sein könnte. Was sind also die Besonderheiten des Kaffeeanbaus hier im Tal bzw. auf der Insel ?
Antwort:
Der Kaffee aus Agaete ist aus mehreren Gründen besonders. Es gibt vulkanischen und mineralreichen Boden. Das Mikroklima hier im Tal ist sehr speziell. Es gibt den Einfluss des Atlantik gepaart mit dem Schutz durch die umliegenden Berge. Günstig sind die ganzjährig milden Temperaturen. Wie du siehst, erfolgt der Anbau auf kleinen und teilweise steilen Parzellen.
Frage: Was sind die größten Herausforderungen neben dem teils steilen Gelände ?
Antwort:
Die größten Herausforderungen sind die begrenzte Produktionsmenge, die hohen Arbeitskosten und die Unmöglichkeit, mengenmäßig mit großen Anbauländern zu konkurrieren. Der Kaffee aus Agaete konkurriert nicht über Quantität, sondern über Identität, Einzigartigkeit und Tradition.
Wir danken an dieser Stelle für die tollen Informationen. Wir wünschen euch und dem Betrieb nur das Beste und bedanken uns für die schöne Zeit hier bei euch im Tal. Das ist einzigartig und erlebenswert.

Wie empfanden wir den Besuch auf der Finca Los Castaños
Unser Besuch auf der Finca Los Castaños war für uns eine rundum schöne und bereichernde Erfahrung. Mit viel Leidenschaft und spürbarer Hingabe wurde uns nicht nur die Region und ihre Besonderheiten nähergebracht, sondern auch der gesamte Weg des Kaffees erklärt – vom Anbau der Pflanzen über die Ernte und Aufbereitung bis hin zur Röstung und abschließenden Verkostung.
Besonders beeindruckend war, mit wie viel Liebe zum Detail hier gearbeitet wird. Man merkt schnell, dass hinter dem Projekt echtes Interesse am Produkt und große persönliche Überzeugung stehen. Während der Führung (knapp eine 1h / wir hatten pro Kopf 15€ gezahlt, die Buchung war online möglich und es gab ausreichend viel Parkmöglichkeiten) blieb ausreichend Zeit für Fragen, sodass sich immer wieder ein angenehmer Austausch rund um das Thema Kaffee entwickelte.
Für alle, die sich für Kaffee interessieren oder einmal erleben möchten, wie Kaffee in Europa angebaut wird, können wir einen Besuch der Finca Los Castaños auf Gran Canaria uneingeschränkt empfehlen. Es ist eine seltene Gelegenheit, Kaffeeanbau so authentisch und nah zu erleben. Es ist etwas ganz Besonderes. In der Bildergalerie am Ende der Seite haben wir einige Eindrücke für euch zusammengestellt.
Viel Freude beim Betrachten.
Wo findet man die Finca ?
Du möchtest noch mehr erfahren über den Kaffeeanbau auf Gran Canaria ?

Bildergalerie mit Eindrücken von der Finca




