Thailand

Kaffeeanbau in Thailand – Regionen, Traditionen, Sorten und Besonderheiten des modernen südostasiatischen Kaffeelands
Thailand gehört zu den spannendsten aufstrebenden Ursprungsländern Asiens. Während Tee und Reis lange dominierten, hat sich Kaffee – insbesondere Arabica aus den nördlichen Bergen – in den letzten Jahrzehnten zu einem Qualitätsprodukt entwickelt. Die thailändische Kaffeeszene ist jung, innovativ und stark lokal geprägt: Von nachhaltigen Königshaus-Projekten bis zu experimentellen Fermentationen setzt Thailand immer neue Impulse im Specialty-Sektor.
Dieser Beitrag erklärt, wo in Thailand Kaffee angebaut wird, seit wann, welche Sorten typisch sind, welche Besonderheiten das Land prägen und warum thailändischer Kaffee immer mehr Aufmerksamkeit erhält.
Wo wächst Kaffee in Thailand?
Der Kaffeeanbau konzentriert sich hauptsächlich auf das Gebirge im Norden sowie einige Regionen im Süden. Die wichtigsten Gebiete sind:
Chiang Mai – Zentrum des Specialty Coffee
Eine der renommiertesten Arabica-Regionen.
Typisch:
Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.600 Metern
klare, süße und rund-fruchtige Tassen
viele Familienfarmen in Bergdörfern (oft indigene Gemeinschaften)
Chiang Rai – vielfältig, modern und experimentierfreudig
In den letzten Jahren stark gewachsen.
Kennzeichen:
Höhenlagen bis 1.700 Meter
florale und fruchtige Profile
viele innovative Verarbeitungsmethoden
Mae Hong Son – abgelegen und traditionell
Weniger bekannt, aber qualitativ stark.
Typisch:
schwer zugängliche Bergregionen
handwerklicher Kaffeeanbau
sehr saubere Filterprofile
Nan & Phayao – aufstrebende Bergregionen
Kennzeichen:
nachhaltige Agroforstsysteme
mittlere bis hohe Höhenlagen
hellfruchtige, milde Kaffees
Südthailand (z. B. Chumphon) – Robusta-Region
Wichtig für den nationalen Markt.
Typisch:
tiefer gelegene Regionen
robuste, kräftige Robusta-Profile
traditionelle Trocknung
Seit wann wird in Thailand Kaffee angebaut?
Der moderne Kaffeeanbau Thailands begann in den 1970er-Jahren, initiiert durch landwirtschaftliche Entwicklungsprojekte des thailändischen Königshauses – insbesondere unter König Bhumibol Adulyadej.
Wichtige Meilensteine:
Umstellung von Opiumkulturen auf Kaffee im Norden („Royal Project“)
Aufbau nachhaltiger Bergwirtschaft
Einführung qualitativ hochwertiger Arabica-Sorten
Entwicklung einer lebendigen lokalen Kaffeekultur in den 2000er-Jahren
Heute ist Thailand eines der wenigen Ursprungsländer, in denen viel Kaffee im eigenen Land konsumiert wird – ein Motor für die stetige Qualitätsentwicklung.
Anbauhöhen und Klima – warum Thailand so ausgewogene Kaffees liefert
Die meisten hochwertigen Arabicas wachsen zwischen:
1.000 und 1.700 Metern Höhe
Die klimatischen Vorteile:
tropisches Gebirgsklima
kühle Nächte in höheren Regionen
fruchtbare Böden
starke Schattenanbausysteme
Das führt zu:
süßen, milden Kaffees
ausgewogener Säure
klarer, angenehmer Tassenstruktur
Thailand ist zudem ein Vorreiter im nachhaltigen Agroforst, da viele Dörfer Kaffee zwischen Obstbäumen und Waldpflanzen kultivieren.
Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?
Thailand baut sowohl Arabica (hauptsächlich im Norden) als auch Robusta (im Süden) an.
Typische Arabica-Varietäten:
Catimor – weit verbreitet, resistent
Typica – fein, klar
Caturra – aromatisch, kompakt
Catuai – produktiv und stabil
Bourbon – süß und ausgewogen
Geisha/Gesha – in kleinen Microlots beliebt
SL-Varietäten – zunehmend in neuen Projekten
Die Catimor-Linien dominiert historisch, aber Specialty-Farmen experimentieren stark mit neuen Varietäten.
Aufbereitungsmethoden – experimentell und qualitätsorientiert
Thailand hat sich in den letzten Jahren zu einem Innovationszentrum für Fermentationen entwickelt. Neben klassischen Methoden findet man besonders viele moderne Techniken.
Washed Process
saubere, klare Tassen
leicht fruchtig und sehr harmonisch
Honey Process
süß, cremig, komplex
sehr beliebt in Chiang Mai & Chiang Rai
Natural Process
fruchtbetont, aromatisch intensiv
häufig mit kontrollierter Fermentation kombiniert
Experimentelle Fermentationen
Thailand ist eines der kreativsten Länder in Asien:
anaerob
carbonic maceration
extended fermentation
„Winey Naturals“
Koji-Fermentation (selten, aber vorhanden)
Viele Cafés und Röstereien arbeiten eng mit Farmern zusammen, um spezielle Lots zu entwickeln.
Wirtschaftliche Bedeutung – wachsender Sektor mit starkem Inlandsmarkt
Kaffee ist in Thailand besonders relevant in:
Bergregionen des Nordens
indigenen Gemeinschaften
nachhaltigen Entwicklungsprogrammen
der boomenden Third-Wave-Coffee-Szene
Charakteristisch:
überwiegend Kleinbauern
viele Kooperativen
hoher nationaler Konsum (mehr Nachfrage = mehr Qualitätsdruck)
stetiges Wachstum im Specialty-Sektor
Thailand ist eines der wenigen Ursprünge, in denen der Großteil der Specialty-Kaffees im Inland vermarktet wird – ein Zeichen hoher Qualität.
Tradition und Kultur
Kaffee in Thailand ist eng verknüpft mit:
den Königlichen Entwicklungsprojekten
nachhaltiger Berglandwirtschaft
sozialem Wandel in ehemals marginalisierten Regionen
einer sehr lebendigen Café-Kultur in Städten wie Chiang Mai und Bangkok
Die Kombination aus indigener Tradition und moderner Third-Wave-Bewegung prägt den Charakter des thailändischen Kaffees.
Fazit – warum Thailand ein Herkunftsland mit großem Zukunftspotenzial ist
Thailand verbindet:
hohe, fruchtbare Berglagen
starke Nachhaltigkeitsinitiativen
vielfältige Varietäten
innovative Aufbereitung
wachsende Qualität & Nachfrage
Ob mild-süß, fruchtig-experimentell oder komplex – thailändischer Kaffee zählt zu den aufregendsten Entwicklungen der globalen Spezialitätenwelt.



