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Nigeria

Kaffeeanbau in Nigeria – Robusta-Tradition, Hochlandpotenzial und ein Ursprung im Schatten größerer Agrarprodukte

Nigeria ist Afrikas bevölkerungsreichstes Land und eine der größten Volkswirtschaften des Kontinents – als Kaffeeursprung spielt es jedoch bislang nur eine sehr geringe Rolle. Der Anbau ist klein, regional begrenzt und überwiegend auf den Binnenmarkt ausgerichtet. Gleichzeitig verfügt Nigeria über Hochlandregionen mit guten natürlichen Voraussetzungen, die in den letzten Jahren vereinzelt wieder in den Fokus rücken.
Dieser Beitrag zeigt, wo in Nigeria Kaffee angebaut wird, welche Sorten dominieren, wie verarbeitet wird und warum Nigeria langfristig als Ursprung Potenzial besitzt.


Wo wächst Kaffee in Nigeria?

Der Kaffeeanbau ist auf wenige Regionen beschränkt und mengenmäßig sehr überschaubar.


Mambilla-Plateau (Bundesstaat Taraba)

Das wichtigste und klimatisch geeignetste Kaffeegebiet Nigerias.
Typisch sind:

  • Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.600 Metern

  • kühles Hochlandklima

  • fruchtbare Böden

Diese Region bietet grundsätzlich gute Bedingungen für Arabica, wird jedoch bislang nur begrenzt genutzt.


Zentrale und südliche Regionen

Historisch geprägter Robusta-Anbau.
Kennzeichen:

  • niedrigere Höhenlagen

  • feucht-warmes Klima

  • Fokus auf lokale Nutzung

Diese Gebiete liefern den Großteil des heute angebauten Kaffees.


Seit wann wird in Nigeria Kaffee angebaut?

Kaffee wurde im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert während der Kolonialzeit eingeführt, spielte jedoch nie eine zentrale Rolle im Export.

Historische Entwicklung:

  • Einführung unter britischer Verwaltung

  • begrenzte Ausweitung des Anbaus

  • starke Konkurrenz durch Kakao und Palmöl

  • Vernachlässigung des Kaffeesektors

  • punktuelle Wiederbelebungsversuche seit den 2000er-Jahren

Im Gegensatz zu Nachbarländern wie Kamerun oder Côte d’Ivoire blieb Kaffee stets ein Nischenprodukt.


Anbauhöhen und Klima – vorhandenes, aber wenig genutztes Potenzial

Nigeria verfügt über sehr unterschiedliche Klimazonen.

Typische Voraussetzungen:

  • Arabica: 1.200–1.600 Meter (Mambilla-Plateau)

  • Robusta: 200–800 Meter

  • Niederschläge: saisonal, regional stark variierend

  • Temperaturen: überwiegend tropisch

Diese Vielfalt würde differenzierten Kaffeeanbau ermöglichen, wird jedoch kaum ausgeschöpft.


Welche Sorten und Varietäten werden angebaut?

Der Kaffeeanbau ist klar robusta-dominiert.


Robusta

  • lokale Coffea canephora-Varietäten

  • widerstandsfähig

  • ertragreich

Robusta dient überwiegend:

  • dem lokalen Konsum

  • regionalem Handel

Arabica

  • sehr begrenzte Mengen

  • vor allem im Mambilla-Hochland

  • bislang kaum exportrelevant

Aufbereitungsmethoden – einfach und lokal

Die Verarbeitung ist überwiegend traditionell und wenig standardisiert.


Natural Process

Der häufigste Ansatz:

  • sonnengetrocknete Kirschen

  • kräftiger Körper

  • einfache Profile

Washed Process

Selten und meist projektbezogen:

  • etwas sauberere Tassen

  • begrenzte Verbreitung

Fehlende Infrastruktur ist einer der Hauptgründe für die geringe Qualitätskonstanz.


Geschmacksprofil – wie schmeckt Kaffee aus Nigeria?

Nigerianischer Kaffee ist stark robusta-geprägt.

Typische Aromen:

  • Kakao

  • Nuss

  • Holz

  • erdige Noten

Im Vergleich:

  • deutlich weniger Säure als Arabica-Hochlandkaffees

  • kräftig, aber einfach

  • eher für Blends als für Single-Origin-Konzepte

Wirtschaftliche Bedeutung – Randprodukt im Agrarsektor

Kaffee spielt im nigerianischen Agrarsektor eine untergeordnete Rolle.

Charakteristisch:

  • sehr geringe Exportmengen

  • Fokus auf Binnenmarkt

  • geringe staatliche Förderung

  • Konkurrenz durch lukrativere Kulturen

Kakao, Ölpalme und andere Agrarprodukte dominieren deutlich.


Kaffee und Gesellschaft

Kaffee besitzt in Nigeria keine ausgeprägte kulturelle Bedeutung:

  • Konsum überwiegend als löslicher Kaffee

  • kaum lokale Röst- oder Cafészene

  • geringe Wahrnehmung von Herkunft und Qualität

Ein wachsender urbaner Mittelstand könnte dies langfristig verändern.


Fazit – Nigeria als Ursprung mit ungenutztem Potenzial

Nigeria ist aktuell kein relevanter Spezialitätenursprung, verfügt jedoch über natürliche Voraussetzungen, die bei gezielter Entwicklung genutzt werden könnten.
Die Kombination aus:

  • Hochlandregionen wie dem Mambilla-Plateau

  • vorhandener Robusta-Tradition

  • großem Binnenmarkt

  • wachsendem Interesse an Kaffee

macht Nigeria zu einem Land mit langfristigem, bislang kaum erschlossenem Potenzial.
Noch Randnotiz der Kaffeewelt – aber nicht ohne Perspektive, wenn Struktur, Wissen und Investitionen zusammenkommen.

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